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Bloggen wird gnadenlos überbewertet!


Ich steig aus!

Na ok, wollt nur mal schauen wieviele auf diesen Artikel klicken.
Mir ist nur in letzter Zeit verstärkt aufgefallen, dass das Bloggen als Marketinginstrument sowas von überbewertet ist, dass es schon nicht mehr feierlich ist!

Jedes Blog, dass es da draußen gibt wird von 10-30 Menschen täglich besucht. Die meisten kennen sich über ihren Freundeskreis, studieren zusammen, sind im gleichen Kegelclub oder mögen das selbe Getränk und haben sich mal kurz an der Kasse drüber unterhalten – schwupps sind wir BlogFreunde oder Klofreunde. Aber ist das werberelevant? Warum wird die Abizeitung, das Pfadfindermagazin oder das Kirchblatt nicht gehypt?

Marketingleute suchen immer nach einer relevanten Gruppe um erstens die Streuverluste bei Massenwerbung so gering wie möglich zu halten und 2. ihren eigenen Aufwand für die Streuung zu minimieren. Leider beißen sich beide Wege irgendwie gegenseitig in den Schwanz. Was bringt es mir als Marketer einen einzigen Blog anzusprechen? Toll! 30 Leute angesprochen.

Sind die A-Blogger Deutschlands relevant für die Masse?

Mach ich das gleiche jetzt bei den Top10 Blogs in Deutschland hab ich so wahnsinnig viele unterschiedliche Zielgruppen, dass es schon nicht mehr feierlich ist – da könnte ich genauso gut im wöchentlichen Jagdjournal werben – überregional! Die Kosten halten sich wahrscheinlich im gleichen Rahmen – die Streuung ist wohl geringer.

Was vereint also alle Blogs der Top10? Sie haben alle für sich eine Nische zu den Massenmedien. Hier findet ihr Texte, die ihr so (noch) nicht in der Süddeutschen oder der Frankfurter lesen könnt. Manche Themen sind interessanter, andere aufrührerischer als man sie in der Postille lesen könnte. Aber ist das alles werberelevant? Nein. Alle zusammen bieten einem aber einen netten Mix an Randthemen die eben nirgendwo anders zu finden sind – und das mehrmals täglich.

Ich will jetzt gar nicht drüber philosophieren ob die deutschen Blogs besser oder schlechter sind als die ausländischen – sie sind eben deutsch und werden von den Deutschen genauso wahrgenommen – nicht als Massenmedium, sondern als Internetseite – mehr nicht. Es gibt wenige aufgeklärte Leser und Schreiber – aber die unterhalten sich eben untereinander, sind keine Multiplikatoren oder Anführer einer neuen Consumerschicht – eher postmoderne Mediapunks – gegen die Masse und gegen den Mainstream.

Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt – Longtail lässt grüßen.

Für die großen der Branche (Burda, Springer, Holtzbrinck & Co.) sind Blogs aber keine Gefahr. Man kuschelt mit ihnen, man lebt mit ihnen – genau wie der Hund mit den Flöhen. Nicht schlimm, aber auch nicht nötig. Und letztlich bleibt das Bloggen was es ist – ein Tagebuch im Internet. Das schwarze Brett des Hofplatzes, das Flugblatt der jungen Parteilosen oder Jean-Remys Klowand – aber eben nicht werberelevant – hört bitte damit auf.

Wollt ihr ein Produkt launchen, braucht ihr keine Blogs, ihr braucht auch keine kostenlosen Produktproben an uns schicken – wir fänden das nett, also nur her damit. Wir werden deswegen aber nicht wohlwollender darüber schreiben – wir sind ja aufgeklärt – für unser eigenes Unvermögen also selbst schuld. Lebt mit uns, aber versucht nicht unser Freund zu werden. Wir haben ja schon Freunde – andere Blogger.

Letztlich gibt es uns Genugtuung, wenn wir es mit unserem Käseblatt dennoch schaffen die Großen zu wecken. Internationale Unternehmen, Advocaten und hohe Ämter riefen schon an und baten höflichst (mal auch weniger höflich) darum gewisse Artikel zu entfernen. Und jedes Mal hatte es einen Hauch von Goliath gegen David – aber da wisst ihr ja auch wie die Geschichte geendet hat.
Ihr könnt uns mundtot machen, aber wir können euch immer noch gegens Bein pissen!

In diesem Sinne: Geht raus und genießt das schöne Wetter!

2 Comments

  • Schön gesagt … wirklich! Schade, dass es nur 30 Leute lesen werden 😉

    Manche der „großen“ Blogger halten sich wirklich für die Meinungsmacher schlechthin und irgendwie bedeutend. Schaut man ihre Besucherzahlen an so befinden die sich meist im einstelligen Tausenderbereich. Zu klein, zu unbedeutend um überhaupt irgendjemandem aufzufallen. Dennoch, sie fühlen sich groß …

    Aber was nicht ist kann ja noch werden. Die Amerikanische Blogszene ist um Größenordnungen gewaltiger und so könnte das auch bei uns in 1-2 Jahren aussehen. Und spätestens dann sind Blogs Mainstream und sehr werberelevant. Warum also nicht schon früh (jetzt!) anfangen den Markt mit Peanuts wohlzustimmen für die spätere Ausbeutung der unschuldigen Bloglämmer? 😉

  • Mein Tipp für Werbungtreibende wäre, lustige, interessante und sehenswerte Werbung zu produzieren, die man gerne verlinkt und von denen man Freunden auch erzählen kann ohne sich lächerlich zu machen. Etwa der „Playstation3 vs Wii“-Spot.

    Der Kreis meiner bloggerFreunde ist zwar nicht so groß, aber wenn mir dort ein Kinofilm oder ein Buch vorgestellt wird hat es mehr Einfluss auf mein Kaufverhalten als eine Bannerwerbung, die ich dank Adblock, gar nicht erst sehe. :-)

    Starker Post-Titel übrigens.

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