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Ich weiß was du letzten Sommer getan hast #1


Seit gestern gibt es in XING eine neue Funktion mit der ihr auf Anhieb sehen könnt wer in eurem Netzwerk was gerade getan hat. Findet ihr erstmal nicht schlimm? Klar bei Facebook ists ein alter Hut – dort wird man mit Statusmeldungen der Leute seines Netzwerks zugemüllt. LinkedIn (die Konkurrenz der XING immer nacheifert) tut selbiges. Wie gesagt – seit gestern kann ich dort folgende Statusänderungen einsehen:

  • Persönliches (Ich suche, Ich biete…)
  • Berufserfahrung und Ausbildung
  • Stammdaten, Web- und Kontaktdaten
  • Datenfreigaben
  • Kontaktbestätigungen
  • Neue Kontakte
  • Termine
  • Gruppen
  • Marketplace-Angebote

Solltet ihr also in eurem XING-Profil anklicken, dass ihr zum Beispiel nach einem neuen Arbeitgeber sucht (Ich suche…) und auch gleich einen neuen Kontakt (Neue Kontakte) gemacht habt, könnt ihr euch sicher sein, dass jemand aus der HR-Abteilung im Marketplace (-Angebote) eine Position ausschreibt die die gleichen Qualifikationen verlangt wie die eure. Eine Option kann man jedoch nicht ausstellen: Habt ihr euch in XING zur Premium-Mitgliedschaft entschlossen, wird dies ebenfalls allen bereits existenten Kontakten mitgeteilt.

Was auch sehr schlecht ist und einen extremen Bug darstellt ist die Tatsache, dass wenn ich meine Privatsphären-Richtlinien in den Einstellungen ändere, diese Einstellungen jedoch in den Schnell-Optionen auf der Startseite nicht wiedergespiegelt werden. Sprich: ich ändere an der einen Stelle meine Einstellungen (Privatsphäre – Neues aus meinem Netzwerk). An einer anderen Stelle sehen diese Einstellungen aber so aus, als ob ich nichts geändert habe (Startseite – Neues aus meinem Netzwerk). Wem soll ich da noch vertrauen können? Hierbei handelt es sich einmal um die Einstellung was von mir gezeigt wird und bei der anderen Einstellung über was ich bei anderen informiert werden möchte. Wer lesen kann…

Ich halte es generell für nicht schlecht, dass ich sehe ob sich das Profil meines Netzwerks geändert hat. Was ich jedoch für äußerst kritisch halte – nein: es gehört abgeschafft – ist die Tatsache, dass diese Änderungen geradezu herausgebrüllt werden! Bei dem oberen Bild bin ich mit dem Verschleiern schon gar nicht mehr hinterher gekommen! Hätte ich es einfach so online gestellt, hätte ich Sekunden später einen Anruf bekommen dass ich das Bild sofort vom Server nehmen solle – garantiert! Es ist auch schön und gut ein Netzwerk aufzubauen, aber selbst in der Geschäftswelt habe ich ein Anrecht auf Privatsphäre. XING mag mich innerhalb der Berufswelt unterstützen, jedoch wird es nicht primär für den eigentlichen Arbeitgeber eingesetzt – oder wieviele von euch bekommen die Premium-Mitgliedsgebühren von der Firma bezahlt? Warum wurde diese Option nicht als Opt-In integriert (wie der erweiterte Lebenslauf?). Warum Opt-Out? Ich finde so ein Verhalten ungeheuerlich. Ein guter Dienstleister bietet nur Opt-Ins an – alleine des gesunden Menschenverstands wegen. Die Begründung gegen ein anfängliches Opt-Out kann ich euch natürlich auch gleich geben: Geld und Markteintritt.

Mit diesen Änderungs-Marktschreier rüstet sich XING auch ’nur‘ für Googles OpenSocial – es wird demnächst also noch mehr dieser Änderungs- und „Ich helf dir beim Networken“-Meldungen geben. Leider.

Ich finde man sollte bei XING auch mal wieder zurückschlagen und ein kleines Script schreiben welches die Anzahl der Neuverknüpfungen anzeigt. Genauso wie man damals sehen konnte wie viele Leute auf mein Profil geklickt haben und wie viele Profile im Schnitt angeklickt wurden, konnte man damit Rückschlüsse auf die Attraktivität des gesamten Netzwerkes (und auf mein eigenes Mini-Netzwerk = mich) schließen. Das war damals natürlich nicht so toll, weil die Zahlen nach unten gingen, was auf Karteileichen oder allgemeine Müdigkeit im Netzwerk schließen ließ. Und da man Investoren anziehen möchte (es war die Zeit rund um den Börsengang) muss man natürlich immer geleckt dastehen.

Während ich diesen Artikel geschrieben habe, haben sich in meinem
Netzwerk wieder 4 Leute neu verlinkt. Einer hat seine
Privatsphärenoption nachträglich geändert.

Nachtrag: Nicht nur mir stößt das übel auf, sondern auch folgenden Blogs – um nur einige zu nennen:

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5 Comments

  • Bei mir tut sich da nix im Netzwerk … absolut tote Hose bei meinen 54 Kontakten. Aber ich mag Xing sowieso nicht besonders, weil man da als normalo-Mitglied ja so gut wie gar nichts machen kann.

  • Hallo BlogÄ, danke für deinen Beitrag. Ich muss dir leider widersprechen – zum Teil: Generell freut es mich sehr, wenn ich mit dem Blog Geld verdienen kann – deswegen auch die Links. Jedoch möchte ich auch Inhalt und Werbung gut voneinander trennen können, was derzeit noch nicht der Fall ist – in der nächsten Version jedoch schon berücksichtigt ist (grüner, doppelt unterstrichener Link für Werbelinks)

  • dieses neue feature ist in der tat ein datenschutzrechtliches desaster.
    ich frage mich, wie das mit der deutschen datenschutz-gesetzgebung vereinbar sein soll, zumal die nutzer da seitens xing einfach vor vollendete tatsachen gestellt worden sind.
    weder ist eine rundmail ergangen, noch ist irgendwo direkt ersichtlich, daß man diesen striptease seiner netzwerkaktivitäten überhaupt selbst konfigurieren kann. nur wenn man in den einstellungen seiner privatsphäre selbst mal sucht, findet man dort die konfigurierbaren optionen vor.

    ziemlicher schuss ins knie, sach ich mal so. bin gespannt, wann es die ersten klagen von den üblichen verdächtigen der rechtsverdreher-szene hagelt.

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