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Medialisierung eines Opfers


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Wenn ein Mensch viele Jahre nur über die Medien Kontakt zur Welt hat, ergibt sich eine Abhängigkeit, die auch nach dessen Befreiung wohlmöglich nicht gelöst ist. Vielleicht wäre es gewagt zu behaupten, dass nun, da die Medien nicht mehr zu einem kommen (wie viele Jahre und Tage als Erheiterung, Trost, Abwechlsung, Hoffnungs- und Bildungsträger), man selbst zu den Medien kommen muss. Vielleicht birgt das ein Gefühl der Sicherheit in sich, ist eine Konstante, etwas voran man sich festhalten kann. Vielleicht ist es ein Fazinosum endlich einen guten Freund – die Medien – aktiv mitzugestalten, und nicht nur medialer Passivität ausgeliefert zu sein. Vielleicht sind die Medien bisher die einzig aufrichtige Welt die man kannte, die sich sodann so aufrichtig doch nicht zeigte und die man aber trotz allem immer noch braucht. Vielleicht ist daher Natascha Kampuschs Welt eine durch und durch medien-bezogene Welt und daher folge richtig auch Name ihrer Website.
Natascha Kampusch, so viel Respekt, Mitgefühl und Demut ich vor ihrem bisherigen Schicksal habe, erweckt mit der online Initiative zu ihrer Person ein seltsames Gefühl in mir. Und wirft zudem die Frage nach der „Medialisierung eines Opfers“ auf. Vielleicht sogar genauer, die Frage nach der „Selbstmedialisierung“ eines Opfers…?

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