Netzwelt

Facebook Messages – Fluch und Segen zugleich


Facebook Messages hat innerhalb der Webszene eher einen Sturm im Wasserglas ausgelöst – ist es doch nichts weiter als das bestehende Nachrichtensystem mit der Erweiterung auf einen unified Nachrichtenstream. SMS, E-Mail, IM, Facebook (old) Messages – alles unter einer Haube. Ähnlich wie die neuen Gruppen, kann man sich in Diskussionen einklinken, ausklinken – dem Stream beiwohnen. Das alles zum ersten Mal garniert mit einer „echten“ E-Mail-Adresse <vanity>@facebook.com für jedermann. Macht auf einen Schlag potentiell 500 Millionen neue E-Mail-Adressen, wobei Facebook etwas revidierte und sagte, dass 300 Millionen Nutzer schon einmal eine Nachricht geschrieben haben.

Wohin will Mark Zuckerberg mit diesem Dienst und was soll das Ganze eigentlich?

Bereits vor etwas mehr als einem Jahr hat es Facebook möglich gemacht aus ihrem Nachrichtensystem heraus E-Mails an Menschen außerhalb von fb zu schreiben. Tippt in der „An:“ Zeile einfach mal eine E-Mail-Adresse ein. Und jetzt kommt der Clou: Ist diese Person bereits bei Facebook mit dieser E-Mail-Adresse registriert, wird die Nachricht im Öko-System von fb verschickt. Obwohl der Nutzer die Intention hatte eine richtige old-school-Mail zu schreiben so bleibt fb in seinen Gefilden. Manche werden jetzt sagen: „Klingt nicht schlimm, ist doch sogar von Vorteil“ – mag sein…

Interessant war in diesem Zusammen während der Pressekonferenz eine Frage aus dem Publikum: „Wird Facebook die E-Mails auf Ewig speichern und sie für Werbung analysieren?“ Mark Zuckerberg: Nein, wie werden sie nicht analysieren – facebook verfolgt eh einen komplett anderen Ansatz als die anderen Werbenetzwerke.“ Kein Wort von Doubleclick, Google Adsense etc. Als ob es DIE nicht gäbe und sie eh die Welt nicht verstehen würden… Anyway

An dieser Szene zeigt sich sehr schön der Unterschied der alten und neuen Internet-Welt. Google nutzt Nutzerverhalten und Profile zum analysieren für Werbezwecke. Facebook analysiert kein Verhalten, sondern lässt sich explizit Gewohnheiten der Nutzer aufzeigen. Dies jedoch an so vielen Triggerpoints (Schauplätzen) wie nur irgend möglich. Jedes „I like“ wird von facebook gespeichert und für targeted Werbung genutzt. Google vermutet nur, was einem gefallen könnte – facebook weiß es!

Ihr seht das Problem immer noch nicht?

Facebook ist für viele Menschen der Dreh- und Angelpunkt des Webs geworden. Dadurch dass Facebook nun einen allumfassenden Nachrichtenstrom gebaut hat, schaffen sie es, Google, Yahoo und Microsoft, von innen auszuhölen. Bekommen die alten Systeme weniger menschlich erzeugte Mails, so schwindet ihre Datengrundlage zum Analysieren von Nutzerverhalten! Old vs. New Web! Facebook ist für Yahoo, Google und Co. ein walled garden, der nicht eingesehen und analysiert werden kann. Man macht es dem Nutzer so bequem wie nur möglich sich dort aufzuhalten und nun „neu“ auch mit Leuten außerhalb Kontakt aufzunehmen. Bestehende E-Mail-Systeme werden integriert und fremde Leute mittels der facebook-Adresse kontaktiert. Wer, meiner Freunde, die noch nicht bei facebook sind, wird in einiger Zeit noch meine Nicht-Facebook-Adresse wissen?

Anmelden mittels E-Mail-Adresse!

Fb hat in seiner letzten Pressekonferenz Single-Sign-On für Mobile vorgestellt. Im static web ist dies ebenfalls noch in den Kinderschuhen – die Grundsteine sind jedoch mit oAuth und OpenID vorhanden. Zum eigentlichen Verifizieren bei OpenID wird derzeit noch ein Provider, die E-Mail-Adresse und das Passwort benötigt. In nicht so ferner Zukunft reicht jedoch die alleinige E-Mail-Adresse. Der unique Identifier. Der Verifikator hinter diesem Identifier wird fb werden – da er die meisten aktiven Menschen innerhalb des Webs in sich vereint wird fb unweigerlich zum Infrastrukturanbieter für Nutzerprofile werden.

…und wer einmal zum Infrastrukturanbieter geworden ist, macht sich auf Ewigkeiten unentbehrlich.

Was Cisco für Datenströme und Apple für Unterhaltung im mobilen Leben ist, wird facebook für den Otto-Normalverbraucher werden. AOL hätte dies ebenfalls werden können. Facebook ist jedoch der kostenlose Layer zum notwendigen Netzzugang und muss sich nicht mit Datenleitungen, Laufzeitverträgen etc. herumärgern. Es greift ab der ersten Stelle an, ab der Menschen ins Internet kommen. Dass fb SMS in Messages integriert hat, mag westliche Nutzer verwundern. In anderen Teilen der Welt ist SMS das, was bei uns Push-Nachrichten sind. Zusammen mit 0.facebook.com der perfekte Ansatz um auch in Indien, Afrika, Lateinamerika groß zu werden! Durch den Social Graph schafft es facebook auch probemlos spamfreie Postfächer zu halten. Werbung bleibt innerhalb des Mail-Verkehrs außen vor. Was abermals die klassischen Werbeplätze innerhalb von fb befeuert. Messages wurde in seiner Pressekonferenz als nicht Großes vorgestellt, muss jedoch intern von fb ein sehr großer Punkt gewesen sein – oder wird es zumindest noch werden!

10 Comments

  • Ganz klar. Facebook will sein eigenes Universum schaffen. Kontakte sollen nicht nur innerhalb des Facebook-Netzwerkes geknüpft werden können, sondern auch außerhalb. Facebook möchte damit Dienste wie Googlemail Konkurrenz machen.

  • Ein wenig Konkurrenz für Google, Yahoo und MSN kann ganz sicher nicht schaden. Zum anderem entwickelt sich so langsam auch Facebook zum Monopolisten, der irgendwann seine Macht missbrauchen könnte. In jedem Fall können wir gespannt sein wie sich die Sache weitereintwickelt :)

  • @ Tobias

    entschuldige aber was heißt denn langsam zum Monopolisten ?

    Facebook hat momentan mehr Besucher als Google und wenn man sich anschaut wie lange google und wie lange facebook existiert dann sehe ich schwarz für google facebook zu konkurrieren. Ich meine Facebook hat mehr als 450 Millionen Besucher jeden Monat und Tendenz steigend.
    Google könnte ihm jetzt auch aus der Suchmaschine ausstoßen das würde facebook kein bisschen schaden denn die sind ein Internet für sich.
    Die Menschen Vergöttern Facebook und er wird nicht nur zum chaten Freunde suchen oder Bilder Kommentaren genutzt. Sonder momentan wird die Große Kohle mit Werbung gemacht wie man sie bei Google mit AdWords kennt. und momentan nur der anfang.

  • Also mir geht der ganze Hype um Facebook auf den Keks. Ich denke dort sind jede Menge Leute angemeldet die Langeweile haben und auch sonst keiner sinnvollen Beschäftigung oder Hobby nachgehen….

  • @modefreak
    Das trifft sicherlich auf viele zu. Aber die Leute suchen sich immer die Social-Community-Plattform mit den besten und komfortabelsten Funktionen. Und das ist nun einmal Facebook. Nicht umsonst sind die Leute von Plattformen wie StudiVZ und Co. nach Facebook abgewandert.

  • Wenn man Facebook nur als ein soziales Netzwerk beobachtet, wo Menschen sich treffen und Information voneinander erhalten, ist es richtig gut. Innerhalb ein paar Sekunden kann man wissen wo die Freunde sind, was sie machen und wie es ihnen geht:-)

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