Ich möchte euch heute mal an meinen Gedanken zu den nächsten Schritten im Social Web teilhaben lassen. Viele Schritte deuten sich so bereits an, andere sind die logische Folge aus dem, was aktuell passiert. Könnte etwas wirr und ungefiltert werden – dafür sind es nun mal Gedanken.

Ihr dürft sie behalten. Aus einigen könnte man auch prima weitere StartUps machen, haben also gut Potential für die Zukunft.


GEO-FENCING und 3D-CHECK-INS

Ist aktuell ein heißes Thema im Social Web. Flickr war der erste Kandidat, der es groß eingeführt hat. Foursquare ist ein Unternehmen, dass komplett auf Check-Ins beruht. Hintergrund ist, dass aktuelle Check-Ins nur auf Punkten basieren. Das Gleiche gilt für Navigationsgeräte oder POI (Points-of-Interest) im Allgemeinen. Grob gesprochen wird aus einem POS (Point-of-Sale) die AOS (Area-of-Sale). Aus einem Point-of-Interest die Area-of-Interest oder sogar Time-of-Interest.
Wie wir alle wissen, gibt es Nichts auf der Welt, dass einem Punkt entspricht. Materie ist immer dreidimensional. Die aktuelle Größe “Punkt” muss also aufgeblasen werden. Die Schritte sind wie folgt:

  • 1. Stufe: Punkte (0D)
  • 2. Stufe: Linien (1D)
  • 3. Stufe: Fläche (2D)
  • 4. Stufe: Räume (3D)
  • 5. Stufe: Zeit (4D)

Geo-Fencing steigt also direkt in der 3. Stufe (zweidimensional) ein. Das wird aber, wie gesehen, nicht das Ende der Fahnenstange sein. Navigationsunternehmen tasten sich, zumindest bildgebend an die Stufen 4 und 5 heran. Was die eigentliche Datenerheben angeht, handelt es sich aber weiterhin im Punkte (oD). Check-Ins in richtige Räume oder in einen Raum, auf Grund von Zeit (Saisonale Store, Fahrendes Deli etc.) werden wir in naher Zukunft sehen.
Gibt es alles über Umwege heute auch schon, werdet ihr jetzt sagen – stimmt. Aber nur, wenn man den Raum in seiner “Ganzheit” erfasst hat, kann man diese Check-Ins auch automatisieren, was heute so noch nicht funktioniert.


 FACEBOOK die PARTNERSHIP COMPANY

In einem 55-minütigem Interview geben Mark Zuckerberg (CEO) und Sheryl Sandberg (COO) Einblicke in das Unternehmen und in ihr Denken. Dabei ist mir ein Satz besonders hängen geblieben. Auf die Frage von Charlie Rose (Interviewer) ob es einen Kampf der Großen (Apple, Amazon, Google, Facebook) geben wird, kam Zuckerberg ins Schmunzeln. “Die Leute lieben Krieg – immer muss es um Krieg gehen”. Aber nein, Facebook hat mit den anderen Großen wenig gemein. Weder stellen sie Hardware her, noch sind sie Algorithmus getrieben. So zumindest ihre Aussagen im Interview (http://www.charlierose.com/view/interview/11981).

Das mag einerseits stimmen. Auf der anderen Seite liegt hinter jeder Methode von Facebook ein komplizierter Algorithmus zugrunde. Anders ließen sich die riesen Rechenoperationen nicht bewerkstelligen. Auch dürften die Server-Farms (die neueste entsteht aktuell in Luleå, Schweden) Maßanfertigungen sein.

Facebook ist an die Hardwarehersteller gebunden, wie kein anderes Unternehmen. Zuckerberg versucht sich seit längerem am Mooreschen Gesetz für Social Media. Moores Gesetz besagt, dass sich alle 18-20 Monate die Anzahl der Schaltkreise verdoppeln. Zuckerberg möchte die Social Connections alle 18 Monate verdoppeln. Was vormals der reine like-Button war, wird in Zukunft “hat gelesen”, “hat gekocht”, “hat gesehen” sein.


FACEBOOK der HARDWARE-HERSTELLER

Was kommt danach? Automatismen! Der Mensch wird an eine natürliche Grenze stoßen, an der mehr mit dem Protokollieren beschäftigt sein wird, als mit dem eigentlichen erleben.

Ich glaube, dass der Hunger nach Wachstum bei facebook größer sein dürfte, als Hardware-Hersteller ihre Produkte an den Endverbraucher bekommen. Noch ist facebook ein Service provider. Sich als solcher zu etablieren ist schwierig genug. Möchte facebook aber weiter so wachsen, werden sie sich auch hardware-seitig etwas überlegen müssen. Wie das aussehen kann? Es wird ein Analyse bundle sein müssen, dass zum einen in jede Hardware passt (Aufzug, Auto, Pfanne, Fernseher, Wecker) und einem Gegenstück, dass einen Nutzer als Einzigartig (ID) ausweist.
Noch bekräftigt Facebook, dass alles, was der Nutzer macht, von ihm aus ging, und absichtlich geschieht. Alles so transparent und nachvollziehbar wie nur möglich. Damit heben sie sich ebenfalls von den Großen aus San Francisco ab.

Die beste Strategie, schneller zu wachsen und das mit Hardware zu verknüpfen, sind natürlich die emerging markets. Und was wäre hier besser geeignet als der OLPC (One Laptop per Child). Negroponte kündigte an, zukünftige OLPC per Hubschrauber abwerfen zu wollen und damit Bildung und Wissen an Orte zu bringen, die bisher kaum erschlossen wurden. Sollte facebook hier dabei sein, bekommen sie Märkte, die man sich heute kaum erträumen kann.


FACEBOOK ist an KONSUM GEKOPPELT

Zwei Punkte sprechen kurzfristig jedoch gegen diese Strategie. Facebook finanziert sich durch Werbung, also durch Konsum. Gibt es keine freie Wirtschaft, dürfte es auch kaum jemanden geben, der etwas bewerben möchte. Auf der anderen Seite fährt facebook aktuell eine Rich-Media-Strategie. Musik und Video Inhalte werden von externen Partnern weiter ausgespielt. Durch den Ticker bekommt man mit, was meine Freunde soeben sehen.
In Entwicklungsländern ist noch lange nicht an Bandbreiten für Musik oder Video zu denken. Somit sind diese Märkte für Facebook mittelfristig uninteressant. Es sei denn, sie bewegen sich auf Googles Pfad und begründen diese Märkte, anstatt sich ins gemachte Nest zu setzen.


FACEBOOK entwickelt sich mit seinen Nutzern weiter

Ein wichtiger Satz von Zuckerberg: “Was gestern gut war, muss heute nicht mehr gelten”. Dies sagte er in Bezug auf die Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen, bei denen Facebook sicherlich Neuland beschritt. Mit den Sicherheitseinstellungen im Jahre 2011 haben sie zumindest an Google+ aufgeschlossen und vielfältigste Möglichkeiten gegeben, die Zielgruppe seiner Nachrichten einzustellen.
Diese Einstellungen werden sicherlich noch weitergehen. Vorstellbar wären Orts- und Zeitabhängige Zielgruppen. Bin ich im Büro, werden meine Nachrichten tendenziell geschäftlicher Natur sein. Schreibe ich Nachts um 3 Uhr, dürfte es nicht an meine Arbeitskollegen oder Familie gerichtet sein.


FACEBOOK mit der reinen Weste

Was mir bei einigen Keynotes und On-Sight-Sessions aufgefallen ist, ist facebooks Sicht zum Thema Privatsphäre. Eigentlich gehts um Datenschutz, Privatsphäre und (rechtliche) Verantwortung im Allgemeinen. Facebook redet sich fein raus, dass sie dem Nutzer nur das Werkzeug zur Hand geben. Alles, was er anschließend damit macht, bleibt ihm überlassen. Macht er einen Fehler, ist nicht facebook schuld, sondern der Nutzer einfach nur zu dumm gewesen.

Auf der anderen Seite hat diese Haltung auch etwas sehr ehrbares gegenüber anderen Tech-Unternehmen. Facebook speichert nur Daten, die der Nutzer durch eine aktive Tätigkeit hinterlassen hat. Unmerkliche Aktionen sollen nicht gespeichert werden. Hierbei bleibt die Frage ob ein GPS-Tracking noch als merkliche Aktion angesehen werden kann. Auf jeden Fall, mag diese Haltung seitens Facebook Achtung erzeugen.

Im Zuge der aktuellen Diskussion der schleswig-holsteinischen Datenschützern um den Like-Button wird facebook immer also böse angesehen. Sie versuchten möglichst viele Daten von Nutzern auf externen Seiten zu sammeln. Egal ob eingeloggt oder nicht. Und schlimmer noch: selbst Nicht-Mitglieder sollen getrackt werden. Dem Video-Interview nach zu urteilen, scheint daran nichts dran zu sein.