Reise

Folgen der Vulkanasche für die Wirtschaft


Seit Donnerstag blockiert die Asche des Eyjafjallajökull den europäischen Luftraum. Erst wurden Teile Nordeuropas für den Luftverkehr gesperrt, dann Großbritannien und schließlich auch Frankreich, Deutschland, Österreich, Schweiz und Polen. Auf flightradar24.com konnte man sehr gut sehen wie immer weniger Flugzeuge am Himmel waren.

Ich selbst war auch davon betroffen und wollte Freitag früh von Nürnberg aus nach Ägypten fliegen. Und um ein Haar hätte ich es auch geschafft. Vereinzelt waren die Flughäfen in Deutschland schon auf Null-Service heruntergefahren, München, Stuttgart und Nürnberg waren zu dem Zeitpunkt jedoch noch aktiv.

Wir haben gehofft, aber leider durften wir in NUE nicht einchecken: „Bitte wenden Sie sich an ihr Luftfahrtunternehmen oder ihren Reiseunternehmer“. In all dem Chaos wussten aber selbst die nicht ob und wie es weitergeht. Unser Flug war bis 10 Minuten vor Abflug auf „verspätet“ geschaltet, wohl wissentlich, dass an dem Tag eh nichts mehr raus und rein geht. Das Problem war nämlich gar nicht, dass die Aschewolke bereits in Nürnberg war – nein – man hat die benötigten Flieger einfach nicht herbekommen, die man für den Weiterflug benötigt hätte.

Einzelne ausländische Besucher der re:publica (zum Beispiel Jeff Jarvis) habens dann ganz krass gemacht und haben versucht mit Auto, Zug und Taxi schneller als die Wolke zu sein. Oder besser gesagt: Schneller als die DFS oder Eurocontrol die nach und nach die internationalen Flughäfen in Deutschland abgeschaltet haben. Nina Eichinger konnte bei DSDS nicht dabei sein, da sie aus LA/USA nicht nach Europa gekommen ist. Bundeskanzlerin Merkel hatte eine mehrtägige Heimreise aus den USA über Island, Lissabon, Rom und Bozen hinter sich ehe sie wieder deutschen Boden unter den Füßen hatte. (Den Job möchte ich ja auch nicht haben, wen bei jedem Aufenthalt erstmal ein halb offizieller Staatsbesuch mit dran hängt…) Und das gros der ausländischen Touristen muss sich für den unfreiwilligen Aufenthalt entsprechend ein Kurzzeitvisum beantragen, da sie meist nicht damit gerechnet haben in dem Transitland länger zu verweilen.

Da ich einen sehr guten Kontakt zum Nürnberger Flughafen habe, habe ich auch mitbekommen, dass viele Privatleute ihre Hilfe und Schlafplätze für gestrandete Reisende anboten. NUE war jedoch vom Flugverbot gar nicht so sehr betroffen, da Nürnberg zwar ein Drehkreuz ist, die meisten Reisenden jedoch aus der unmittelbaren Umgebung kommen oder auf dem Landweg weiterreisen konnten. Anders jedoch in Frankfurt und München wo Leute auch schon mal versucht mittels Zug und Taxi nach Athen, London oder Oslo zu gelangen!

Den Fluggesellschaften entstünde angeblich pro Tag ein Schaden von bis zu 200 Millionen Euro. Fraport (Frankfurter Flughafen) meldete einen Tagesverlust von max. 3,5 Millionen Euro (was ich bei deren Reiseaufkommen fast schon ok finde). Derweilen Prüfen Lufthansa und Air Berlin Regressansprüche gegenüber DFS und dem deutschen Verkehrsministerium, da sich diese bei der  Sperrung nur auf eine einzige Computersimulation aus Großbritannien berufen und bis Samstag eigene Messungen unterlassen haben. Das sind jedoch nur die offensichtlichen Schäden. Bedenkt man, dass US-Reisende meist ihre Urlaubstage aus eigener Tasche bezahlen und sie am Montag wieder zur Arbeit antreten müssen, bangen diese wohl eher um ihren Arbeitsplatz als dass sie sich über einen verlängerten Urlaub freuen. Organspenden und Paketzustellungen werden ungleich erschwert. Frische Ware (Obst, Gemüse, Blumen) kann nicht an seinen Bestimmungsort gebracht werden.

Und es ist noch nicht mal ein Ende des Verkehrschaos in Sicht. Vulkanologen schätzten zu Anfang, dass der Eyjafjallajökull noch 40 Stunden Asche spucken würde. Am Sonntag hieß es, dass dies auch noch eine Woche so weitergehen könnte. Letztlich ist jedoch nicht zu sagen, wann eine Normalisierung wieder eintritt. Die ausgefallenen Flüge werden meist jedoch nicht nachgeholt. Eine Aufhebung der deutschen Nachtflugverbote wird seitens der Airlines an die Politik gestellt – was auch bitter nötig ist! Bis jedoch der normale Flugplan wieder gilt und alle Reisenden und alle Flugzeuge wieder dort sind, wo sie sein sollen, vergeht mindestens noch eine weitere Woche!

Auch wenn die Deutsche Flugsicherung (DFS) und Eurocontrol im 6-Stunden-Takt den Luftraum gesperrt halten, sollte man sich von der Hoffnung verabschieden, dass man noch vor Montag wieder in seiner Heimat ankommen wird. Viel eher sollte man schauen, dass man mittels Zug, Auto, Bus oder Schiff die Heimreise antritt – seien es noch so viele Kilometer – da dies mit Sicherheit schneller geht als auf die Öffnung des europäischen Luftraums zu hoffen.

Der Vulkan auf Island ist vor 190 Jahren bereits schon einmal ausgebrochen – das ging jedoch 14 Monate lang! Und selbst wenn der Wind über Europa günstig stünde, sollte man sich doch darauf besinnen wie schön der Himmel derzeit ohne Kondensstreifen ist. Und wenn der nächste Business-Termin ansteht, entweder früher aufstehen; einen Tag früher anreisen oder mal eine Videokonferenz à la Tandberg anstreben – deren Aktien dürften die nächsten Tage auch gut ansteigen!

Abschließend muss man sagen, dass Menschenleben vor allem steht! Keiner möchte, dass auch nur ein einziges Flugzeug abstürzt nur weil man sich gegen die Übervorsichtigkeit der Flugsicherung hinweggesetzt hat. Der wirtschaftliche Schaden mag alleine für Deutschland in die Milliarden gehen. Und dennoch ist es für den Einzelnen spannend zu sehen, dass es auch geht, wenn das Leben mal etwas langsamer dreht. So gehts schließlich auch…

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