Design, Netzwelt, Wissenschaft

Lytro – Bilder, besser als die Wirklichkeit


Gestern wurde von Lytro ein revolutionäres Kamerasystem für den Verbraucher-Markt vorgestellt. Es ermöglicht eine komplett neue Klasse an Kameras und Bildern. Die Kamera nimmt erst das Bild auf und kann nachträglich auf dem heimischen Rechner (oder Online) das Bild fokussieren. Das zu Grunde liegende Prinzip nennt sich Lichtfeld-Fotografie, wofür es einer plenoptischer Kamera (Lichtfeldkamera) bedarf.

Ihr kennt ja das Prinzip einer Lochkamera. Wie damals im Kunstunterricht, öffnet man ein Loch und lässt sämtliches Licht unfokussiert auf eine reaktive Fläche scheinen. Scheint genau das Gleiche zu sein – ist jedoch weit aus mehr!  Hier ein kleines Beispiel:

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Klickt in dem Bild in die verschiedenen Tiefen hinein, das Bild wird anschließend neu fokusiert. Faszinierend, oder?

Aktuell kann man die Kamera unter lytro.com zum Kampfpreis ab 399,- US$ vorbestellen werden. Verfügbar in den Farben Blau, Schwarz (8GB, 399,- US$) und Rot (16GB, 499,- US$) .

Ausgeliefert wird Anfang 2012. Die Kamera sieht auf den ersten Blick etwas unförmig aus, was aber der besonderen Optik der Kamera geschuldet ist. Zur nachträglichen Fokussierung wird bisher nur Mac unterstützt. Windows ist in Arbeit.

Die Forschungsarbeiten dahinter beschreibt Lytro sehr anschaulich in ihrem Blog. Schaut euch unbedingt ihre faszinierenden Videos an!  Wer noch tiefer einsteigen will, kann sich auch gerne die Dissertation des ehemaligen Stanford-Studenten und heutigen CEO von Lytro, Ren Ng antun: Digital Light Field Photography (pdf)

Kino wird mit Plenoptik neu erfunden

Was auf den ersten Blick vielleicht wenig erstaunen mag, ist auf den 2. Blick extrem revolutionär! Plenoptik eignet sich für 3D Foto/Film. Das Fraunhofer-Institut in Erlangen (IIS) hat hierzu bereits Forschungen laufen und hat auf der diesjährigen IBC2011 bereits erste Ergebnisse präsentiert. Vielleicht wird man im Zuge der Nacht der Wissenschaft in Nürnberg/Fürth/Erlangen am 22. Oktober tiefer Einblicke bekommen. Immerhin bieten sie einen speziellen Slots zur Zukunft des Kinos an.

Ein deutsches sehr erfolgreiches Unternehmen dahinter ist Raytrix aus Kiel, die 3D-Bilder auf Grund des Lichteinfalls berechnen – alles mit nur einer Linse! Falls ihr ein wenig mit der Technik spielen wollt und eine Grafikkarte mit OpenGL 2.0-Unterstützung habt, könnt ihr euch eine Demosoftware zum nachträglichen Fokussieren und 3D-Berechnen runterladen (Für Nvidia Cuda, gibts eine eigene Version).

Mit einer 3D-Brille, die die Fokusierung des Auges messen könnte und der entsprechenden Rechenpower im Rücken, wäre es möglich, dass jeder Kinobesucher seinen eigenen Film anschauen könnte!

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(Ein 1080p 3D-YouTube-Video! Sieht man auch nicht alle Tage…)

Seid ihr nicht auch in Avatar gesessen und habt euch gedacht: “Wow, könnt ich jetzt nur sehen, was da hinten noch alles für Details versteckt sind…” Da es jedoch nur herkömmliche Filmtechnik war, der Film also “vorfokusiert” ist, geht das leider nicht. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen in 3D-Filmen Kopfschmerzen bekommen: Das Auge möchte auf bestimmte Stellen fokussieren – der Film fokussiert  jedoch wo anders – im Kopf kommts zu Irritationen. Letztlich seht ihr weiterhin nur einen 2D-Film, der 3D immitiert. Mit Plenoptik + Augenfokusmessung kann man diese Problematik beheben!

Was haltet ihr von der neuen Technik? Habt ihr auf so etwas schon immer gewartet oder habt ihr gar keinen Bedarf dafür, Bilder erst nachträglich bearbeiten zu müssen?

Update: Das UI (also die Bedienbarkeit) des Lytro ist wirklich beachtlich. Zoomen ist ein physisches Verändern des Abstands der Linsen zueinander mittels eines Drehrädchens (schaut sehr altbacken aus). Auf der gegenüberliegenden Seite des Objektivs ist ein einziges Touchdisplay zu finden, mit dem man mittels Gesten die komplette Kamera bedienen kann.

3 Comments

  • Klasse Bericht Andi! Bin überrascht wo Du das alles immer wieder herzerrst… Auch Dein ganzer Blog ist sehr sehr schön geworden! Ich hoff wir sehen uns bald mal wieder… Roland

    • Danke schön! Ehrlich gesagt, hab ich die Technik gestern erst in meinem Reader gefunden. So nen Artikel hat man relativ schnell zusammengeschustert. Recherche und Schreiben dauert vielleicht ne Stunde…

      Da ich mittlerweile in Köln sitze, bin ich leider nicht mehr so oft in Nürnberg unterwegs. Vielleicht aber um die Weihnachtszeit – kann mir den Christkindlesmarkt ja nicht entgehen lassen :)

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