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Akt I, Szene 3


Die Kabel Deutschland Marter, Akt I Szene 1, Akt I Szene 2

Der Keller

„10! db! Schräglage!“ – die apokalyptischen Worte Jürgens hallen weit durch die Flure von Texterchens Wohnung. Der Abgesandte des „Jürgen-Marco-Syndicats“ (im folgenden weiterhin nur „Jürgen“), verschwitzt von der Anstrengung der Messung, steht fassungslos in der Mitte des Raumes. Das Texterchen starrt betrübt auf die Kabel Dose.

Texterchen: „Jürgen, was machen wir jetzt?“

Jürgen: „Ich muss zum Kabelverteiler, ein grauer Kasten! Schnell! Wo?“

Texterchen: „Dieser typische Kabelkasten wo POST draufsteht?“

Jürgen: „Ja genau! Wo ist der?“

Texterchen: „Na, im Keller!“

Texterchen führt Jürgen an den wichtigen Kasten. Ein äußert kompliziertes Gerät mit 4 Leitungen, grau, quadratisch, mit der Prägung POST im Plastikdeckel. Es ist irgendwie provisorisch in den muffigen Sandstein der Kellerwände angebracht.

Jürgen: „Ich brauche Schraubenschlüssel! Die hab ich nicht dabei! Wie soll ich ahnen, dass ich als Servicetechniker in so finstere Gewölbe absteigen muss und 4 Schrauben lösen muss, um an die Kabeldosen zu kommen?“

Texterchen: „Jürgen, ich hole dir was Du brauchst. Gott sei Dank habe ich mir bei Aldi für 12 Euro ein Chrom-Vanadium Schlüsselset gekauft, erst heute morgen. Ich gehe hoch und hole es dir sofort!“

Während des Texterchen das Schlüsselset holt, präpariert Jürgen seine Apparatur…

Texterchen: „Hier Jürgen, damit sollte es gehen…“

Jürgen: „Sauber! Jetzt brauche ich noch ne Zange…“

Texterchen: „Klar Jürgen, ich geh noch mal…“

Etliche Minuten später…
Jürgen hat alle Kabel vom grauen Kasten abgezogen (im Haus hat nun keiner mehr Fernsehen, noch Radio) er stöpselt seine Apparatur ein, unheimliche Stimmen erklingen.

Jürgen: „Ja ne ist klar! Das Signal ist hier unten stark genug, nur auf dem Weg zu den Dosen in der Wohnung geht uns alles verloren! Klarer Fall, wir müssen einen Verstärker aufbauen. Ich ruf den Andi an.“

Andi, 23 Jahre, schmächtig, nichts besonderes, wird in wenigen Minuten eintreffen. Er ist ebenfalls ein Servicetechniker der HMKD und nur er weiß wohl, wie man einen Verstärker aufbaut (bzw. nur er hat wohl überhaupt einen dabei).

Texterchen: „Jürgen, wie lange wird den das Aufbauen des Verstärkers dauern?“

Jürgen: „Ich will mich nicht festlegen, aber eine bis anderthalb Stunden sicherlich. Aber der Andi hilft ja!“

Texterchen: „Jürgen, jetzt arbeiten wir schon seit fast 3 Stunden, ich müsste jetzte mal in meine echte Arbeit. Und Internet ist ja nicht mal in Sicht. Denn selbst wenn wir die 10 db Schräglage ausgleichen, darfst ja du immer noch nicht meinen Mac anfassen, weil Du nicht weißt wie du ihn anfassen musst. Und Telefon hab ich dann auch immer noch nicht…“

Jürgen: „Kein Thema, ich ruf die Dispo an, dann machen wir einen neuen Termin klar.“

Jürgen wählt flink eine Nummer, eine schrille Stimme erklingt verzerrt durch das Handy. Es ist die „Dispo“ – Ort der Koordination der Unfähigkeit. Hier wird über das Schicksal vieler hundert Kunden entschieden. Hier wird entschieden, welcher Servicetechniker wohin gesandt wird. Ein gefährliches Vabanque-Spiel auf Leben und Tod, auf Kabel oder nicht Kabel…

Jürgen (ins Handy): „Ja, die Kundin steht genau neben mir…nö…ja….ja, ich hab hier schon seit 8 Uhr alles überprüft, wir müssen einen Verstärker aufbauen….ja….nö…in 2 Wochen? Alles klar!“

Jürgen: „So, in zwei Wochen kommt ein Kollege, der wird den Verstärker aufbauen…“

Es klingelt. Andi, schmächtig, nichts besonderes, steht vor der Tür. Er findet bald heraus, dass er völlig umsonst hergefahren ist. Aber das ist ihm ziemlich Wurscht. Er findet es viel toller dem Texterchen ausführlich zu erzählen, dass er in genau dieser Straße aufgewachsen ist, dass er hier und da ein Praktikum gemacht hat, dass er gerne hier gewohnt hat, dass er jetzt woanders wohnt, dass sein Vater hier und da gearbeitet hat, dass er hier und da geparkt hat, dass er nicht weit laufen wollte, dass er sich ja auskennt, dass…Texterchen unterbricht!

Texterchen: „Jürgen, Andi, schön, dass ihr da ward, aber ich muss los. Ich seh Euch dann in 2 Wochen…“.

Jürgen: „Nö, nö, da kommt der Marco! Der wird Bescheid wissen, weil ich ihm einen Plan schreibe, was genau ich hier gemacht habe und was genau er noch machen muss.“

Jürgen beginnt eine ausgefeilte Nachricht zu verfassen. Texterchen nimmt an er gibt Marco genaueste Zeichnung der Kabeltopographie, des grauen Kastens, der 10 db Schräglage.

Jürgen: „Heben Sie das gut auf, dass erspart Marco viel Zeit!“

Texterchen nimmt den Zettel an sich – und ist völlig schockiert!

Und demnächst: Akt 2, Szene 1 – Der Zettel

2 Comments

  • Rofl, da hast du dir ja ein paar schöne, neue Freunde angelacht. Warum hast du dich eigentlich jedes Mal mit zwei Wochen bis zum nächsten Date abspeisen lassen? Schüchtern? Ich bin ja mal auf den nächsten Akt gespannt. Vielleicht gehst du dann mal ordentlich in die Offensive… 😉

  • Also ich bin seit Anfang des Jahres bei Kabel Deutschland (Tarif Paket Comfort). Preis-Leistung ist in meinen Augen wirklich in Ordnung. Leider hatte auch ich schon mehrmals das Vergnügen mit der Service Hotline Kontakt aufzunehmen (wegen Totalausfall). Mein Kabel Internetanschluss inklusive Telefonanschluss war für mehrere Tage tot. Na toll. Aber ich glaub technische Probleme gibt überall einmal. Also Take it Easy…

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